Es war die unwahrscheinliche
Geschichte eines unverlangt eingesandten Manuskriptes, das den Verlag sofort
begeisterte, und es wurde eines der erfolgreichsten Debüts: Mit ihrer Geschichte
von Sascha, die ihr Schicksal selbst in die Hand nimmt, hat Alina Bronsky die
Herzen ihrer Leser erobert.
Was macht ihr Debüt so besonders? Da ist zum
einen die siebzehnjährige Sascha Naimann, die aus Moskau nach Deutschland
gekommen ist und mit ihren zwei jüngeren Geschwistern im Scherbenpark lebt -
einem Hochhaus-Ghetto, in dem eigene Gesetze herrschen, die sie mit wilder
Entschlossenheit bricht. Da ist zum anderen das katholische Elite-Gymnasium, das
Sascha wegen ihrer Hochbegabung und ihrer prekären Lebenssituation angenommen
hat, mitsamt den behüteten und ausstaffierten Mitschülerinnen, die keinen
Schimmer von Algebra haben, aber ein volles Freizeitprogramm. Und da ist der
Ton, in dem Sascha ihre Geschichte erzählt: Selbstbewusst und geradeheraus,
beiläufig und trocken kommentiert sie ihre Umgebung, das verzweifelte Streben
nach Glück, Freiheit und Wohlstand, das Scheitern ringsum und das eigene
Aufbegehren.
"Manchmal denke ich, ich bin
die Einzige in unserem Viertel, die noch vernünftige Träume hat. Ich habe zwei,
und für keinen brauche ich mich zu schämen.
Ich will Vadim töten. Und ich
will ein Buch über meine Mutter schreiben. Ich habe auch schon einen Titel: 'Die
Geschichte einer hirnlosen rothaarigen Frau, die noch leben würde, wenn sie auf
ihre kluge älteste Tochter gehört hätte'. Vielleicht ist das nur ein Untertitel.
Ich habe Zeit, es mir genau zu überlegen, denn ich habe noch nicht angefangen zu
schreiben.
Strikt personal
perspektiviert, ein atemloses Stakkato, der Bronsky-Beat. Schon bald entkommt
man dem Sog dieses Buchs nicht mehr. Saschas Entwicklung wird trotz der
einfachen Sprache so glaubhaft und psychologisch avanciert vergegenwärtigt wie
nur denkbar und ist zugleich ein schonungsloses und gewitztes Porträt jener
Parallelwelt Aussiedlersiedlung, von der bislang viel zu wenig zu lesen war.
(Frankfurter Allgemeine Zeitung)
Die Entdeckung der Saison. Was sie in
ihrem Debüt bewerkstelligt, ist tatsächlich bewundernswert: Sie verpackt
menschliche Tragödien in gute Unterhaltungsliteratur. Das Leben am Rande der
Gesellschaft beschreibt sie gnadenlos und mit ironischer Distanz - und
gleichzeitig voll menschlicher Anteilnahme für die dort Gestrandeten.
(freundin)
Alina Bronsky, geboren 1978 in
Jekaterinburg/Russland, verbrachte ihre Kindheit auf der asiatischen Seite des
Ural-Gebirges und ihre Jugend in Marburg und Darmstadt. Nach abgebrochenem
Medizinstudium arbeitete sie als Texterin in einer Werbeagentur und als
Redakteurin bei einer Tageszeitung. Sie lebt in Frankfurt und telefoniert bis
heute fast täglich mit ihren Großeltern in Sibirien