Ein sehr persönliches Dokument
wird zur spannenden Zeitreise: Seit fast zwanzig Jahren bekommt Günter Grass von
seinem Verleger Blindbände geschenkt, Bücher mit leeren Seiten, die er per Hand
mit ersten Fassungen seiner Texte füllt. Und er nutzt sie als Tagebuch und damit
als Nährboden für seine Ideen. Mit dem Jahr 1990 begann Grass sein bis heute
anhaltendes intensives Notieren.
Nach dem Mauerfall war Deutschland im
Umbruch, und Günter Grass wollte nah dran sein an der Stimmung unter den
Menschen und den politischen Debatten. Er war viel unterwegs in der Noch-DDR,
war präsent, wo über die Zukunft und den Prozeß der Wiedervereinigung gesprochen
wurde, pflegte einen regen Austausch mit seinen Kindern und Freunden.
Das
Tagebuch von Günter Grass gibt Einblicke in den Alltag eines Zeitgenossen, der
im Bewußtsein des historischen Moments leidenschaftlich lebt und streitet. Es
steckt voller Begegnungen, Beobachtungen und Gedanken; Ideen zu späteren
Erzählwerken keimen hier auf und entfalten sich. Das Tagebuch ist ein
erzählerisches Protokoll aus einer Zeit, da die Geschichte wieder mächtig in
Bewegung geraten war.
Günter Grass wurde am 16.
Oktober 1927 in Danzig geboren, absolvierte nach der Entlassung aus
amerikanischer Kriegsgefangenschaft eine Steinmetzlehre, studierte dann Grafik
und Bildhauerei in Düsseldorf und Berlin. 1956 erschien der erste Gedichtband
mit Zeichnungen, 1959 der erste Roman "Die Blechtrommel". 1965 erhielt der Autor
den Georg-Büchner-Preis. 1994 erhält er den Karel-Capek-Preis. 1999 wurde ihm
der Nobelpreis für Literatur verliehen. Grass lebt in der Nähe von Lübeck.