Auf einem Passagierdampfer,
der von New York nach Buenos Aires unterwegs ist, fordert ein Millionär gegen
Honorar den mit einer Art mechanischer Präzision spielenden Schachweltmeister
Mirko Czentovic zu einer Partie heraus. Der mitreisende Dr. B., ein
österreichischer Emigrant, greift beratend ein und erreicht so ein Remis für den
Herausforderer. Er hat sich, von der Gestapo, die ihn verhaftete, in ein
Hotelzimmer gesperrt und von der Außenwelt hermetisch abgeschlossen, monatelang
mit dem blinden Spiel von 150 Partien beschäftigt, um sich so seine
intellektuelle Widerstandskraft zu erhalten. Durch diese einseitige geistige
Anstrengung ergriff ihn ein Nervenfieber, dessentwegen man ihn entließ. Jetzt
spielt Dr. B. zum ersten Mal wieder gegen einen tatsächlichen, freilich
roboterhaft reagierenden Gegner. Es geht ihm bei dieser Partie lediglich darum,
festzustellen, ob sein Tun damals während seiner Haft noch Spiel oder bereits
Wahnsinn gewesen ist. Er schlägt den Weltmeister in der ersten Partie souverän,
läßt sich aber, eigentlich gegen seinen Willen, auf eine Revanche ein. Während
dieser zweiten Partie ergreift ihn wieder das Nervenfieber: er bricht die Partie
ab und wird nie wieder ein Schachbrett berühren.
Stefan Zweig (1881-1942) wuchs
als Sohn einer jüdischen Kaufmannsfamilie in Wien auf. Er schrieb Gedichte,
Novellen, Dramen und Essays, die 1933 der Bücherverbrennung der Nazis zum Opfer
fielen. Seit 1938 auf der Flucht, lebte der engagierte Pazifist und Humanist
zuletzt in Brasilien, wo er zusammen mit seiner Ehefrau Selbstmord
beging.