Jung, attraktiv, begabt und
unabhängig: Das ist Mia Holl, eine Frau von dreißig Jahren, die sich vor einem
Schwurgericht verantworten muss. Zur Last gelegt wird ihr ein Zuviel an Liebe
(zu ihrem Bruder), ein Zuviel an Verstand (sie denkt naturwissenschaftlich) und
ein Übermaß an geistiger Unabhängigkeit. In einer Gesellschaft, in der die Sorge
um den Körper alle geistigen Werte verdrängt hat, reicht diese Innenausstattung
aus, um als gefährliches Subjekt eingestuft zu werden. Mia Holl will beweisen,
dass ihr Bruder, verurteilt wegen einer angeblichen Vergewaltigung, unschuldig
ist. Sie gerät also in Stellung gegen das System, hier "Methode" genannt, auch
aus Liebe zu ihrem Bruder, der sich das Leben nahm.
Juli Zeh entwirft in
Corpus Delicti das spannende Science-Fiction-Szenario einer Gesundheitsdiktatur
im Jahr 2057. Sie zeichnet ein System, das alle und alles kontrolliert.
Gesundheit ist zur höchsten Bürgerspflicht geworden. Die "Methode" verlangt ein
festes Sportpensum ebenso wie die Abgabe von Schlaf- und Ernährungsberichten.
Buchstäblich über jeden Schritt seiner Bürger ist dieser Staat
informiert.
Corpus Delicti handelt von höchst aktuellen Fragen: Wie weit
kann und wird der Staat individuelle Rechte einschränken? Gibt es ein Recht des
Einzelnen auf Widerstand? Juli Zehs Corpus Delicti. Ein Prozess ist ein
visionäres und ungeheuer spannendes Buch über unsere Zukunft, die wir immer
weniger bestimmen können.
Julia Zeh, 1974 in Bonn
geboren, Jurastudium in Passau und Leipzig, Studium des Europa- und
Völkerrechts. Längere Aufenthalte in New York und Krakau. Ihr Roman "Adler und
Engel" (2001) wurde zu einem Welterfolg und ist mittlerweile in 24 Sprachen
übersetzt. Juli Zeh wurde für ihr Werk vielfach ausgezeichnet, u. a. mit dem
"Deutschen Bücherpreis" (2002), dem "Rauriser Literaturpreis" (2002), dem
"Hölderlin-Förderpreis" (2003) und dem "Ernst-Toller-Preis" (2003). Sie lebt
heute in Leipzig.